Bildungsoffensive

Bildungsoffensive

Elektropost vom 31.10.2025

Es heißt ja immer, wir hätten ein Bildungsproblem im Land der Dichter und Denker. Am Material kann das aber nicht liegen. Denn wer das mit dem Digital-Kapitalismus bis jetzt nicht so recht verstanden hat, lernt es spätestens mit der Lektüre des neuen Asterix. Deshalb, liebe Freunde der Sonne, es geht voran ...

Ebenso mit dem Ziel, Licht ins Dunkel zu bringen, schlagen wir die lehrreichen Quartette von Weltquartett vor. Wir haben uns mal wieder sämtliche Titel auf Halde gelegt. Darunter die beliebten Ausgaben "Tyrannen" und "Tyranninnen", sowie "Seuchen" und "Rauschgift". Auch zu empfehlen sind "Kohlekraftwerke" und "Brutalismus". Jedes Quartett nur EUR 10,00 Euro und damit echt erschwingliche Seminare.

Außerdem Pflichtlektüre, quasi Grundkurs zum Thema durchgeknallte Milliardäre: Neu von Marc Uwe Kling "Elon und Jeff on Mars". Als Spin-off der Känguru-Comics.

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Jan Plewka

Für die lyrisch-musikalische Bildung möchte ich heute in erster Linie die Aufmerksamkeit auf Jan Plewkas neues Album lenken. Grundsätzlich muss man immer aufpassen, was man sagt, denn der nächste Shitstorm könnte einen selber treffen. Ich gehöre aber noch zur Generation "No Future" und bin damit hartgesotten! Denn indem man jede Hoffnung fahren lässt, rechnet man sowieso immer mit dem Schlimmsten und freut sich, wenn es anders kommt. Also letztlich freut man sich dann eher meistens ... Und in diesem Mindset nehme ich es jetzt mit den Selig-Fans auf, wenn ich sage, dass ich diese Band bis dato immer ganz ok fand. Also nicht "mega", nicht "mindblowing", nicht "total geil". Eben ganz ok ... Damit zum neuen Soloalbum von Selig-Sänger Jan Plewka, welches er "Eine Art Soloalbum" genannt hat. ich finde es tatsächlich grandios! Im deutschsprachigen Pop und Rockgeschäft findet man nicht so oft jemand, der so gut mit Sprache umgehen kann. Jemanden, der tatsächlich Themen hat, weil er sich und andere gut beobachten kann. Das sind dann Themen, die, wie das bei bester Lyrik eben so ist, man nicht entweder frontal mit Zeigefinger oder alternativ ermüdend-klamaukig um die Ohren gehauen bekommt, sondern, die man vielleicht sogar für sich selbst zwischen den Zeilen finden muss. Und man findet selten jemand, der auch noch eine Musikalität mitbringt, von der man zwar nicht behaupten kann, dass hier das Rad neu erfunden wurde, aber more of the same ist das definitiv auch nicht. Irgendwie also ein Meisterwerk der Zwischentöne, nicht zu Verwechseln mit Mittelmaß. Und ein Beweis, dass Älterwerden kein Schaden sein muss ... Am besten alles selber hören ... und ich hör mal wieder in alte Selig-Scheiben rein. Mal sehen, ob mich das doch noch irgendwie weiterbringt in meiner Pubertät ...

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Überhaupt ist dieser Herbst bis jetzt voller fantastischer neuer Musik. Da kann man gar nicht über alles so viel referieren, wie man möchte. Man freut sich einfach, dass man das alles kennenlernen darf. Äußerst bemerkenswert ist zum Beispiel das neue Album der Barr Brothers aus Kanada. "Let it Hiss" heißt es und ist das erste seit acht Jahren. In unserer Playlist stehen noch einige andere Heilmittel für all diejenigen, die meinen zu wissen, dass heute keine gute Musik mehr entsteht. Eine Äußerung, die einem in einem Plattenladen immer wieder begegnet. Und die seit Jahrzehnten Banane ist. Die gesellschaftliche Bedeutung von Popmusik oder von Musik ganz allgemein mag sich verändern. Das liegt aber selten an der Musik, sondern eher schon an der Art der Rezeption.

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Nik Bärtsch

Meine Musikserie im Stadttheater Landsberg möchte immer schon den Fokus legen auf das nicht Bedienen geschlossener Weltbilder. Wer ganz genau weiß, wie Jazz geht, möchte sein Saxophon bitte ins eigene Kopfkissen hineinspielen und sich seiner Bedeutung erfreuen. Wichtig im Leben ist aber der Perspektivwechsel. Nur das baut Vorurteile und Ressentiments ab. Die Kunst ist ein Steigbügelhalter für perspektivische Neuausrichtungen. Man ist nicht immer gleich ein anderer Mensch nach einem guten Konzert. Aber ein wenig reicher an Erfahrung ist man meistens. Am liebsten mag ich ja die Frage aus dem Publikum: "Wie nennt man jetzt diese Musik?" Dann weiß ich, dass hier zumindest ein Denkprozess gestartet wurde, weil man ans Ende der eigenen Begrifflichkeit gekommen ist. Gut so, denn hinter dem Horizont, liebe Freunde der Sonne, geht's weiter. In diesem Sinne lade ich ein zu Nik Bärtsch's Ronin am nächsten Sonntag, 02.11. ab 19:00 Uhr. Es gibt noch wenige Restkarten.

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Playlist

Die Liste all der Musik, die derzeit bei uns im Laden läuft, sprich in den letzten Tagen und Wochen aufgelegt wurde. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Im Gegensatz zu all den Streaming-Playlists besteht unsere Playlist aus Alben und nicht aus einzelnen Songs. Denn wir sind nach wie vor der Meinung, dass die Kunstform des Musikalbums eine erhaltenswerte ist. Wir spielen viel Neuheiten, aber natürlich greifen wir auch in die Archive. Bei der Playlist verzichten wir aus Zeitersparnis auf Links. Wir gehen davon aus, dass sich alle zu helfen wissen, wenn man im Netz mal irgendwo reinhören will. Das Meiste ist auf Vinyl und CD erhältlich. Schlussendlich helfen wir bei Fragen auch gern persönlich weiter und beantworten alles, egal ob was, wie, warum oder wieviel... und auch wo und wohin...

Don Was - Groove in the Face Of Adversity

Barr Brothers - Let it Hiss

Jan Plewka - Eine Art Soloalbum

David Byrne - Who is the Sky

Lemonheads - Love Chant

Chrissie Hynde - Duets Special

Nighthawks - Paris Dakar

Apartments - That´s What´s the Music for...

Sunyears - Song Forlorn

Robert Forster - Strawberries

Nik Bärtsch - Spin

The Moonband - Relations

Quadro Nuevo - Inside the Islands

Sokratis Sinopoulos - Topos

Autumn Defense - Here And Nowhere

Shuteen Erdenebaatar & Nils Kugelmann - Under The Same Stars

The Bats - Corner Coming Up

Robert Plant - Saving Grace

Kerala Dust - An Echo Of Love

Bar Italia - Some Like It Hot

Jeff Tweedy - Twighlight Override

Bruce Springsteen - Nebraska ´82

Bob Dylan - Through the Open Window 1956-1963 (Bootleg Series Vol. 18)

Wir sehen uns!