Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit - Time for a change

Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit - Time for a change

Elektropost vom 31.07.2026

Zum Leben gehört es, Realitäten anzuerkennen und danach zu handeln. Nach einigen Jahrzehnten Plattenladen und Buchhandel glaube ich zu wissen, wovon ich spreche. Die von mir betriebene Selbständigkeit im kulturellen Sektor hat bereits einige Metamorphosen erlebt. Zum einen natürlich, weil man, egal was man macht, es so stricken muss, dass am Abend auch noch etwas Kleingeld übrig bleibt, um sich damit eine Halbe und eine Bratwurscht leisten zu können. Oder wahlweise ein Sellerie-Grünkohl-Smoothie mit veganer Erdbeerweißwurst. Quasi Existenzdruck.

Man könnte jetzt natürlich zu jammern anfangen über allerhand. Über die feindliche Übernahme der Musik durch die Streamingdienste beispielsweise. Oder über steigende Kosten an allen Ecken und Enden bei gleichzeitiger Stagnation der Umsätze. Über Beschaffungsprobleme, also Verfügbarkeiten von Tonträgern und Büchern. Über nervige Hotlines statt kompetenter Mitarbeiter bei Zulieferern und Dienstleistern. Über das Wegsterben von Kundschaft mit Lesekompetenz oder musikalischem Fachwissen. Oder sehr beliebt: über die Bürokratie als solche und und und.... wer da Lust drauf hat, kann sich bei mir gerne zu einer Privataudienz anmelden und ich gehe ins Detail. Aber dazu bitte Alkohol mitbringen...

Man kann's aber auch lassen, denn Depression und schlechte Laune scheinen mir auch kein tragfähiges Geschäftsmodell und schon gar kein erstrebenswerter Lebensinhalt.

Aber wir müssen anerkennen, dass wir eine strukturelle Krise haben, was kleine bis mittlere selbständige Unternehmen betrifft. Unabhängig von den Branchen, aber natürlich in unterschiedlicher Ausprägung. Die Verwerfungen im Tonträgerhandel sind seit Jahren enorm und der Buchhandel realisiert gerade erst, dass harte Zeiten kommen werden.

Dabei gilt: Bei allen wirtschaftlichen Notwendigkeiten sollte man aufpassen, sich nicht verbiegen zu lassen. So kann man, wenn Hosenknöpfe nicht mehr so der Verkaufsschlager sind, natürlich auch auf Schnellfeuerwaffen umstellen, nur weil die gerade Konjunktur haben. Aber muss man....?

Ich möchte eigentlich nicht Schallplatten oder Bücher verkaufen, egal was da drauf oder drin ist. Meine Motivation ist tatsächlich, dem Käufer bzw. der Käuferin etwas bieten zu können, was mindestens Freude bereitet und im Idealfall ein lebensveränderndes Momentum beinhaltet.

Diese Motivation wird mir sehr wahrscheinlich auch nicht mehr abhandenkommen.

Der Discy hat als Laden eh bereits länger durchgehalten als manch anderer namhafter Kollege. Immer flankiert von sichtbaren und unsichtbaren Nebentätigkeiten, wie Mailorder, Tourneebestückungen usw. Und Kathrin und ich machen den Laden trotz oben genannter Shit-Punkte immer noch gerne. Auch jetzt ist es also nicht so, dass man zwangsläufig alles hinschmeißen müsste. Aber Ladies & Gentlemen: It's time for a change!

Den Einzelhandel, so wie ihn die meisten von uns kannten, gibt es nicht mehr. So haben wir spätestens mit der Coronazeit begriffen, dass es keinen Sinn mehr hat, auf klassische Öffnungszeiten zu setzen.

Die ehemaligen personalintensiven Öffnungszeiten, die oft Leerzeiten waren, füllen wir heute weitestgehend mit produktiver Arbeit. Zum Beispiel mit dem konzentrierten Bearbeiten von Bestellungen und Anfragen, statt alles immer nur zwischen Tür und Angel... Und wenn wir uns schon um das Bürokratiemonster kümmern müssen, dann zu Zeiten, in denen der Laden geschlossen ist. Auch das spart Zeit und Geld und Nerven. Und es bleibt vielleicht sogar ein Sonntag.

Man ahnt, was jetzt kommt, und vielleicht doch nicht. Wir wollen das Know-how und die Kontakte, die durch jahrelanges Betreiben eines Ladens entstanden sind, nicht in den Wind schießen. Wir wollen Euch weiter mit interessanten Büchern, Schallplatten, CDs usw. versorgen. Wir werden das auch weiterhin jeden Tag machen und auch den Standort Herzog-Ernst-Str. in absehbarer Zeit nicht aufgeben. Aber der Schwerpunkt unserer Arbeit wird sich verändern. Weniger Laden, mehr anderes.

Ich habe es in der letzten Elektropost bereits kommuniziert. Unsere langjährige Mitarbeiterin und Ladenmanagerin Angelika Stiebling wird uns zum 15.08. verlassen. Sie möchte sich schlicht im Leben nochmal was anderes machen. Das ist in vielerlei Hinsicht bedauerlich, aber natürlich voll und ganz zu respektieren. Wer sich von ihr als Discy-Mitarbeiterin noch verabschieden möchte, hat dazu noch zwei Wochen die Gelegenheit.

Für uns ist damit jetzt der richtige Zeitpunkt, grundlegende Veränderungen einzuleiten. Und auch ein neues Team aufzubauen.

Die immense Nachfrage nach den Wienreisen hat Kathrin und mir bereits gezeigt, wo die Reise im wahrsten Sinne des Wortes hingehen muss. Auch die Resonanz in Wien vor Ort ist überwältigend positiv. Nie im Leben hätte ich mir das zuvor vorstellen können. Jeden Tag macht sich eine neue Tür auf. Es entstanden so viele Kontakte und Möglichkeiten, dass man beinahe selbst den Überblick verlieren könnte. Man muss sich also der eigenen Möglichkeiten bewusst sein und versuchen, "out of the box" zu denken (würde der Coach sagen, wenn man einen hätte). Wir müssen unser Netzwerk nutzen und in den Dienst aller Interessierten stellen. Das macht alles Lust auf mehr. Und es hilft bei der Erweiterung des eigenen Denkhorizonts!

Auch die Konzertserie im Stadttheater Landsberg macht immer noch großen Spaß. Hier öffnen sich stets neue Begegnungsräume. Und solange die Stadt das will, werde ich das auch mit Freude und Engagement weiter machen. Wenn man den Kern unserer Arbeit beschreiben möchte, dann ist es sowieso genau das: Begegnungsräume durch kulturelle Themen schaffen. Egal ob im Laden, Wien, im Theater oder wo auch immer.

Heute übrigens noch auf der Sommerbühne: Le Millipede und Bella Wakame und am Sonntag: The Bats aus Neuseeland.

Das Discy-Schiff zieht also weiter und transformiert sich im neuen Jahr von Discy MusikBuchHandlung in Discy KulturNetzwerk. Mehr Details dazu folgen auf diesem Weg.

Zuvor bieten wir Euch noch ein Last Christmas unter alter Flagge in der Hoffnung, dass Ihr Euch auch mit der neuen Ausrichtung anfreunden könnt. Für unsere Stammkundschaft aus nah und fern wird sich sowieso nicht allzu viel ändern. Und ich sag jetzt mal, außer Stammkundschaft fällt mir gerade sowieso keine andere Kundschaft ein. Etwas Touristen hier und da und ab und zu jemand, der den Laden beim Vorbeigehen entdeckt. Aber seien wir ehrlich: Nagelstudios und Immobilienbüros sind das weitaus bessere Geschäftsmodell.

Für Fragen, die es dazu sicherlich zuhauf geben wird, stehen wir natürlich stets auch persönlich zur Verfügung und ich werde dafür sorgen, dass der Informationsfluss nicht abreißt.

Vom 15.08. bis 03.09. gönnen wir uns nochmal eine Pause zur Erholung, Neuorientierung und Weichenstellung. Am 04.09. geht's weiter mit dem September-BLLACK FRIDAY und am 05.09. folgt gleich ein verkaufsoffener Abend in Landsberg unter dem Motto "Französische Nacht". Daran werden wir uns natürlich beteiligen. Für weitere Infos insbesondere zu den neuen Ladenzeiten bis Ende des Jahres: stay tuned und lese die Elektropost.

Wir sehen uns!